Geschichte

Geschichte (Chronik) des Bergbaues im Platzertal

Geschichte des Bergbaues im Platzertal

Im Jahre 2007 wurde ein neuer Verein gegründet mit dem Namen Verein Bergwerk Platzertal mit den Gemeinden Tösens und Pfunds und dem Tourismusverband Tiroler Oberland

Der bis in unser Jahrhundert erfolgte Abbau bedeutender Erzvorkommen im Platzer- und Berglertal bis in eine Höhe von 3000 m und die Tatsache, dass Wissenschaftler den „Bergbau Tösens“ als einziges wirklich bedeutende Erzvorkommen im Bezirk bezeichnen, waren Gründe genug, um dies durch die zwei gekreuzten Hämmer (Eisen und Schlägel) in unserem neuen Gemeindewappen zu symbolisieren. Die abgebauten Erzlager liegen teilweise schon in der Gletscherregion im Kamm zwischen dem Platzer Tal und dem Berglertal. Der höchste Stollen wurde auf einer Seehöhe von 2815 m angeschlagen, doch reichen einzelne Schürfe noch höher. Als wichtigstes Erzlager ist der sogenannte Oberbergler – Gang anzusehen, hingegen ist der Unterbergler – Gang zwischen Schönjöchl und Glockhaus weniger ergiebig. Der 380 m lange Zubau-Stollen in 2720 m Höhe ist heute vereist. Der darunter liegende Viktor-Stollen hat die bedeutende Länge von 440 m und ist durch einen Schacht (110 m) mit dem Zubau-Stollen verbunden. Knapp oberhalb des Berghauses liegen der Tiefbau-Stollen und der Emilia-Stollen (2550 m). Hauptsächlich werden oder besser wurden Blei-, Zink- und Kupfererze abgebaut, wobei die Erzvorräte auf 1,5 Millionen Tonnen geschätzt werden. Der relativ hohe Silbergehalt würde nach Ansicht Dr. Mutschlechners eine Wiederaufnahme des Tösner Bergbaues trotz hoher Erschließungskosten rechtfertigen. Rufen wir uns die Chronik des Tösner Bergbaues, wie sie im Landecker Buch von Univ.-Doz.Dr. Georg Mutschlechner zusammengefasst wurde, kurz in Erinnerung:

1539 wird der Bergbau im Berglertal einer Gewerkschaft verliehen. Noch heute kann man Ruinen von Berghäusern sehen, welche den Knappen bis 1610 als Unterkunft und Arbeitsstätte dienten. Der Erzab- bau war knapp unter der Oberfläche (Pingenbau) dort angelegt, wo die Edelmetallführung am reichsten war, denn die Münzprägestätte in Hall hatte reichlichen Bedarf an Silber. Auf eigenen Scheideplätzen wurde das silberreiche Bleierz sorgfältig aussortiert, während die Zinkblende unbeachtet blieb. Nur wegen des Silberabbaues nahmen die Knappen das beschwerliche Leben im Hochgebirge auf sich.

1610 verursacht das Vorrücken des Bergler-Ferners die Einstellung des Bergbaus. Dieses in Tirol einmalige Ereignis, dass ein Bergwerksbetrieb vom ewigen Eis überfahren wird, hat damals auch zur Aufgabe der Goldbergwerke in den Hohen Tauern geführt. Fast 250 Jahre ruhte der Bergbau und die von Eis und Schnee verschütteten Lagerstätten waren fast vergessen.

1858 hatten Tösner Freigrübler, also Private, die auf eigene Kosten und auf eigenes Risiko ihr Glück versuchten, den Bergler-Stollen neu eröffnet. Die ersten Ergebnisse waren so günstig, dass man den Bergbau neu belehnte. Doch ungünstige Umstände wie der Tod des Hauptunternehmers und der Krieg von 1859 brachten die neuerliche Einstellung des Betriebes.

1881 wird der Innsbrucker Advokat Dr. Ludwig Duregger vom Bergverwalter Engelbert Wörz auf das Tösner Erzlager aufmerksam gemacht. Daraufhin erwirbt dieser die Schürfrechte und läßt

1884 mit den Schürfungen beginnen.

1888 wird mit einer Querstrecke im Oberbau-Stollen der Bergler-Gang angefahren und ein kleines Sägewerk errichtet. In den Folgejahren muss der 10 km lange Weg von Tösens bis zu den Berghäusern im Platzertal erst fahrbar und teilweise neu angelegt werden. Im 16. Jahrhundert dürfte wohl nur ein Saumpfad für den Transport der Stempelhölzer und Bleierze existiert haben.

1889 wird der „Silber- und Bleierzbergbau Tösens“ mit vier einfachen Grubenmaßen verliehen.

1890 gibt es im Grubenfeld Clara drei Stollen: den Oberbau-Stollen, den Zubau-Stollen und den Tiefbau-Stollen. In 2100 m Höhe 400 m außerhalb der Platzer-Alm erfolgte die Erzaufbereitung mit Hilfe der Wasserkraft des Platzbaches. In einer Doppelquetsche mit zwei Walzenpaaren wurde das Erzgestein sofort zerkleinert. Neben dem Hüttbetrieb befanden sich Arbeiterunterkünfte, Küche, ein Raum für den Aufseher, eine Stallung für drei Zugtiere und das Erzmagazin. Das Berghaus umfasste die Arbeiterhütte für 20 Mann, Bergschmiede, Stallung und Erzmagazin. Bis zum Jahre

1893 wird der Tösner Bergbau von Dr. Duregger betrieben und zwar jährlich von April bis Dezember.

1896 wechselt der Bergbau den Besitzer und erfährt unter dem Trienter Industriellen F. Oss-Mazzura seine Blütezeit. Neuerlich wird der Zufahrtsweg von Tösens verbessert. Auf 2535 m Höhe (!) wird für 60 Mann ein solides Berghaus errichtet. Der Zubau-Stollen wird vorgetrieben. Noch gibt es keinen Kompressor, alles geschah händisch. Nach einer Rohscheidung wurden die Erze zur Aufbereitung gebracht.

1897 wird die Aufbereitungsanlage umgebaut und erhält eine Doppelquetsche, mehrere Setzmaschinen und Paternoster, einen Pocher, eine Spitzlutte, eine Kugelmühle und 4 Herde. In der Aufbereitung konnten bis zu 1,5 t stündlich verarbeitet werden. Kälte und Wassermangel lassen jedoch nur einen drei- bis viermonatigen Betrieb der Aufbereitungsanlage zu. Eine kleine Stauanlage konnte die Arbeitsperiode um einige Wochen verlängern, trotzdem waren acht Monate jährliche Stillegungszeit zu lange, um eine Stammmannschaft heranzubilden. Viele Tösner ergriffen jedoch die Gelegenheit, sich als Saisonarbeiter etwas dazuzuverdienen.

1898 wird 12 m unter dem Tiefbau-Stollen der Emilia-Stollen angeschlagen, ohne jedoch fündig zu werden, und nach 60 m wieder eingestellt.

1899 erreicht der Viktor-Stollen eine Tiefe von 350 m und Ende September 1901 ist er bis auf 387 m eingetrieben.

1906 wird der Bergbau mit der Aufbereitung durch eine 2,9 km lange Seilbahn verbunden. Die Belegschaft zählte damals 63 Mann, wovon 26 bei der Grube und 37 bei der Aufbereitung tätig waren. In diesem Jahr werden 150 t Bleikonzentrate gefördert mit einem Gehalt von 52 % Blei und 1000 g Silber pro Tonne. Die hohen Gestehungs- und Transportkosten verhinderten jedoch eine wirtschaftliche Betriebsführung, trotz des hohen Silbergehaltes.

1910 muss daher der Betrieb eingestellt und die teuren Anlagen sind dem Verfall preisgegeben.

1915-1918 werden mehrere Maschinen abgebaut und die Seilbahn für das Militär requiriert.

1923 scheint eine neuerliche Aufnahme des Bergbaues bevorzustehen: Die Gewerkschaft Rotenstein (Imst) schließt mit dem Besitzer einen Nutzungsvertrag, setzt das Berghaus instand, befreit die Gruben vom Eis und beginnt mit 15 Mann einen Schürfbetrieb. Doch noch bevor die Erzförderung

1924 echt beginnen konnte, wird der Betrieb im Folgejahr wieder eingestellt.

1948/49 werden die Rentabilitätsaussichten von der Bleiberger Bergwerksunion neuerlich geprüft und gründliche geologische Studien in der Umgebung betrieben.

1950 werden die Stollen enteist und die Anlagen provisorisch instandgesetzt, doch das Fallen der Bleipreise auf dem Weltmarkt verhindern die geplante Neuaufnahme des Tösner Bergbaues. Seither ruht der Erzabbau im höchsten Bergwerk Tirols, dessen Erzgänge wohl ergiebig genug wären, jedoch wegen der Entlegenheit derzeit nicht wirtschaftlich abgebaut werden können.

1985 haben die Gemeindevertreter der Gemeinden Pfunds und Tösens die Erhaltung der Ruinen für wünschenswert erachtet. Der Grundeigentümer, die Österreichische Bundesforste übernahmen für etwaige Schäden, die durch die Reste der Bergbautätigkeit entstehen, keine Haftung. Von einer Erhaltung des gesamten Bergwerkes wurde daher abgesehen.

1989 – 1991 wurden die gegenständlichen Ruinen vom Verein „Förderkreis der Tiroler Bergbaugeschichte ohne Zustimmung der Bergbauberechtigten aber auch ohne Zustimmung des Grundeigentümers teilweise wiederaufgebaut. So wurden zum Teil Dächer wieder aufgesetzt und vom Einsturz bedrohte Mauern saniert und wiederaufgebaut. Räumlichkeiten im Inneren des Knappenhauses wurden zu provisorischen Wohnräumen adaptiert.

1992 wurde vom Verein „Förderkreis der Tiroler Bergbaugeschichte“ ein Vertrag vorgelegt, abgeschlossen zwischen dem Verein „Förderkreis der Tiroler Bergbaugeschichte“ und der Bleiberger Bergwerksunion, mit welchem die gegenständlichen Baulichkeiten zum Preis von 1,– Schilling vom Verein angekauft wurden. Die ÖBF als Grundeigentümer sind von diesem Kaufvertrag erst nachträglich in Kenntnis gesetzt worden.

1996 wurde von der Berghauptmannschaft Innsbruck ein Bescheid über Sicherungsmaßnahmen beim Silber- und Bleierzbergbau erlassen. Darin wurde angeordnet, dass von der Bleiberger Bergwerksunion Sicherungsmaßnahmen bei den Mundlöchern der Stollen auszuführen sind, sodass ein Zugang in den Stollen ohne Verwendung von technischen Hilfsmitteln nicht mehr möglich ist. Die Bleiberger Bergwerksunion haben daher im Sommer 1996 die Mundlöcher des Emilia-Stollens, des Viktor-Stollens und des Zubaustollens durch Abstürzen von großen Steinen bzw. durch Zubruchschießen verschlossen.

1996 wurde der Kaufvertrag mit dem Verein „Förderkreis der Tiroler Bergbaugeschichte“ und der Bleiberger Bergwerksunion wieder aufgehoben.

2000 ist durch eine Lawine ein Gebäudeteil (Seilbahnhaus) der Aufbereitung unterhalb der Platzer-Alm vollkommen zerstört worden.

2007 wurde der Verein Bergwerk Platzertal gegründet mit den Gemeinden Tösens und Pfunds und dem Tourismusverband Tiroler Oberland.